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Der Hund, der beste Freund des Menschen

Heute waren ich bei einem unserer Kunden. Unsere Agentur, in der ich als Mediengestalterin arbeite, hat einen großen Fisch an Land gezogen. Da ich mit am CI des Kunden arbeiten soll, war ich heute mit beim Meeting. Da sitzt mir doch tatsächlich ein superboy gegenüber. Mit strahlend weißem Gebiss brachte er mich völlig aus dem Konzept. Meine Hände wurden leicht schwitzig, sodass sie auf dem Papier kleben blieben. Das Handout, was Mr. Hot ausgeteilt hatte. Dunkles Haar, etwas lockig und hohe Wangenknochen: Für mich muss ein Männergesicht etwas kantig sein. Okay, nach der Sitzung frage ich ihn, ob ich ihm mal auf die private Email schreiben kann. Das natürlich in einem ganz unschuldigen Ton. Ohne etwas zu blicken, schaute er mich abschätzend an und gab mir seine Visitenkarte. Dann erzählte er mir etwas von seinem Hund und seiner Frau. Aus der Kuchen, die Visitenkarte habe ich gleich mal in den Schredder gehauen. Kann Hunde einfach nicht ausstehen. Im Sommer am See liegen und den eh schon knappen Strand mit schlabbernden Hunden teilen, ist schlimm. Noch schlimmer ist, wenn diese Biester durchweg bellen und so jede Idylle kaputt bekommen. Die Zähmung des Wolfes als Schmuse-Tier ist der größte zivilisatorische Rückschritt der Menschheit. Ich finde es einfach krank wie Menschen so arme Wesen an sich binden, nur um jemanden zu haben, um den sie sich kümmern können, von dem sie geliebt werden, der aber keine Parole bieten kann, wie ein Mensch. Das hat etwas Pathologisches.

Der Typ ist also für mich gestorben. Schon allein daran denken zu müssen, dass er diesen Hund in seinem Arm hält, würde meine Haut zum Jucken bringen.

26.9.12 16:33


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Ich sammle Fotos

Meine Wohnung ist getäfelt von alten Fotografien. Obwohl ich das Sammeln eher als konservative Eigenschaft von Menschen bezeichnen würde. Leute die über ihrer Briefmarkensammlung hocken, auf Treffen fahren, um zu tauschen, sind mir suspekt. Noch verrückter sind Leute, die Kronkorken oder andere verrückte Kleinigkeiten sammeln. Aber die Fotografie weckt wohl doch auch meine Leidenschaft zum Sammeln. Hin und wieder durchstöbere ich das Internet auf der Suche nach Fotos die mich bewegen. Das können auch Dias sein, die ich mir dann vor die Fensterscheibe hänge. Manchmal gibt es auf ebay tatsächlich ganze Kartons voll alten Fotografien, bei solchen Angeboten schlägt mein Sammlerherz höher.

Hin und wieder entdecke ich auf den Fotos Männerporträts, die mich besonders ansprechen. Ich glaube, auf ihren Gesichtern Züge meines Vaters zu entdecken. Auch wenn ich meinen Vater nie kennen gelernt habe, bin ich davon überzeugt, dass er nicht nur in meinem Körper ein Bild von sich hinterlassen, sondern auch in meinem Hirn irgendeine unterbewusste Erinnerung existiert, die die Gesichtszüge meines Vaters beschreibt. Man sagt doch bei einem Kind, dass es ganz die Mutter oder der Vater ist, praktisch ein Abbild der Eltern. Also muss auch ich ein Abbild meiner Eltern sein. Irgendeine Spur muss mein Vater in mir hinterlassen haben. Ich bin fest davon überzeugt, träfe ich ihn auf der Straße, würde ich ihn erkennen, obwohl ich ihn nie zu Gesicht bekommen habe. So suche ich weiter in den alten Fotos nach seinem Gesicht.

Warum ich so auf meinen Vater fixiert bin, weiß ich allerdings nicht, vielleicht ist es die alte Frage, woher wir kommen. Das ist mir auch egal, es ist ein innerer Trieb, wie der bei manchen Männern, die mit jeder Frau, die ihnen begegnet, schlafen müssen.

13.9.12 13:23


Ich und die Fotografien von Diane Arbus

„Das Leben ist die Suche nach dem perfekten Ausdruck.“ Genau das würde ich sagen, stünde ich vor einem der Fotos von Diane Arbus. Als wäre ich selbst die Porträtierte. Blondierte Haare, dunkle Augenringe, in einem schwarzen, langem Kleid steht das Fotografierte gegen die Wand gelehnt. Fragend verwirrt und verkrampft blickt sie am Betrachter vorbei. Ihr Zeigefinger gespreizt abstehend, als gehöre er nicht zu ihrer Hand. Das ist ein Foto von Arbus, in dem ich mich selbst finde. So fühl ich mich, die meiste zeigt, genau so.
Arbus fotografiert das nicht Alltägliche: Frack tragende Amerikaner mit Indianerschmuck auf dem Kopf, über den ganzen Körper tätowierte Zirkusartisten, mit Lockenwickler bestückte Transvestiten, Zwillinge. Die amerikanische Fotografin interessierte sich für Exzentriker und Randfiguren der Gesellschaft. Sie porträtierte die Menschen schonungslos mit Blick auf den Betrachter. In ihren Bildern setzt sie sich über die Grenzen von Ästhetik und Normalität ihrer Zeit hinweg. Das war in den Vierziger und Fünfziger Jahren. Der perfekte Ausdruck ist also eher die Suche, die Suche bei Arbus nach den Plätzen fernab der Normalität, das war im Zirkus, im Rotlichtmilieu oder in der Schicht des Lumpenproletariats.
Vielleicht ziehen mich die Fotos von Arbus so an, weil ich selbst auf der Suche bin, wonach ist mir noch nicht ganz klar. Ich ziehe auch mit der Kamera durch die Straßen auf der Suche nach einem Gesicht, einem Männergesicht, hohen Wangenknochen, dunklem lockigen Haar, einem spitzen Mund. Wenn mir die Arbeit etwas Zeit am Tag übrig lässt, dann ziehe ich los. Der Blick durch den Sucher beruhigt mich, rückt die Welt zurecht, zeigt mir einen überschaubaren Ausschnitt.
6.9.12 10:41





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